Grabungsbegleitung in Bremen

Die Landesarchäologie Bremen (Deutschland) hat Anfang Juli 2021 folgenden Aufruf zur Grabungsbegleitung an Anthropologinnen und Anthropologen verschickt:

Es handelt sich um einen Kriegsgefangenenfriedhof mit hauptsächlich sowjetischen und ukrainischen Soldaten bzw. Zwangsarbeitern. Nach diversen Recherchen unterschiedlicher Institutionen (u. a. im Arolsen Archives) hat sich herausgestellt, dass wohl ca. 746 Tote dort bestattet wurden. Die Größe des im Luftbild von 1945 noch zu Teilen sichtbaren Friedhofs mit ca. 3.250 m² lässt genau auch diese Zahl zu. 1948 wurde der Großteil der Toten exhumiert. Hierbei mussten 12 Arbeiter sich durch eine mittlerweile schon ziemlich dicke Spülsanddecke durchgraben um auf die ehemalige Oberfläche von 1945 zu kommen. Es wurden ca. 440 Leichen exhumiert. Somit gehen wir von einer verbliebenen Anzahl von 280 bis 300 Toten aus. Die Bestattungen sind 1941 bis 1944/45 in eine schon bestehende Spülsanddecke eingebracht worden. Z. T. in Wehrmachtsspinten oder in Segeltuchplane eingewickelt. Ein Teil der dort Bestatteten ist an einer Typhus-Pandemie gestorben. Ab 1945 hat man die Aufspülung des Geländes bis auf weitere 2 m erhöht.

Durch die bereits ausgeführte Teilexhumierung und die Abgelegenheit des Geländes ist der Friedhof quasi in Vergessenheit geraten und erst im Zuge einer denkmalpflegerischen Beauflagungskontrolle für den Bau einer großen Bahnwerkstatt und Recherchen einer Bürgerinitiative wieder in Erscheinung getreten.

Nun suchen wir zum schnellstmöglichen Zeitpunkt anthropologische Unterstützung für die Bergung und Analyse der Toten. Wir bieten E13 als volle Stelle für ein Jahr nach TVL. Bei der Analyse geht es um Identifikation über evtl. auffindbare Passmarken, Krankheitsverläufe, Todesursachen etc. DNA-Analysen sind nicht vorgesehen.

Jan Geidner
Freie Hansestadt Bremen
Senator für Kultur
Landesarchäologie Bremen
Grabungstechnik
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28195 Bremen
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